Der 27. November war ein nahezu idealer Wandertag. Es war zwar ziemlich kalt. Ende November kann man aber auch im Tessin nicht hochsommerliche Temperaturen erwarten. Um 08.45 Uhr trafen alle in Lugano beim Bahnhof ein. Mein Privatchauffeur (Anita) brachte mich mit dem Auto von Ponte Capriasca nach Lugano. Die übrigen Wanderer reisten aus der Zentralschweiz an.
Nach einer kleinen Stärkung im Bahnhofsrestaurant marschierten wir um 09.15 Uhr los. Zuerst hinunter zum See. Der Bahnhof von Lugano liegt nämlich erhöht zur Seepromenade. Am Ufer des Lago di Lugano entlang, gelangten wir nach Paradiso. Bei der Talstation der Standseilbahn auf den Monte San Salvatore mussten wir kurz den richtigen Weg suchen, der dann teilweise dem Bahntrassé entlang auf den San Salvatore führte. Für unseren mehrfach ausgezeichneten Navigator und Kartenleser Peter war das natürlich überhaupt kein Problem.
Der Anstieg begann unverzüglich. Schnell hatten wir die Betriebstemperatur erreicht. Auf dem abwechslungsreichen und sehr gepflegten Wanderweg gewannen wir schnell an Höhe. Die Sicht hinunter nach Lugano, nach Castagnola und auch nach Campione war stets frei. Ein grandioses Panorama wurde uns Wanderern geboten. Kurz unter dem Gipfel, auf einer kleinen Aussichtsterrasse, genehmigten wir uns einen guten Schluck Rotwein. Nach fast 30 Etappen verstehen wir uns diesbezüglich fast blind. Das heisst, jeder hat zumindest eine kleine Flasche Wein mit dabei......
Kurze Zeit später, nach wenigen zusätzlichen Höhenmetern, kamen wir auf dem Gipfel des Monte San Salvatore an. Keine Spur mehr vom hektischen Sommerbetrieb. Die Standseilbahn fährt während den Wintermonaten nicht. Und das Gipfelristorante ist während den kalten Monaten ebenfalls geschlossen. So blieb uns nichts anderes übrig, als ohne einzukehren den Abstieg nach Ciona und anschliessend nach Carona unter die Füsse zu nehmen. Am Ortsrand von Carona machten wir dann ausgiebig Rast und assen Mitgebrachtes aus dem Rucksack. Die weitere Route führte uns durch einen Naturpark der besonderen Art. Wie muss es hier riechen, wenn alle diese Pflanzen in Blüte sind! Nach einem längeren Teilstück im Wald begann zerst ein sanfter Abstieg zur Alpe Vicania. Zu unserer Überraschung fanden wir auf dieser Alpe ein einladendes Ristorante, ein lieblich hergerichtetes Lokal. Es brauchte nicht abgestimmt zu werden, ob wir hier einkehren sollen. Das ersehnte Bier barg jedoch Erstaunliches: Ein "grosses" Bier besteht hier logischerweise aus zwei kleinen.
Obwohl wir ob dieser Logik staunten, verachteten wir den durstlöschenden Gerstensaft nicht und benetzten unsere trockenen Kehlen genüsslich.
Der weitere Abstieg über zirka 1000 Stufen nach Morcote verlangte Konzentration und gute Beine. Für uns natürlich kein Problem.
Von Morcote brachte uns dann ein Postauto zurück nach Lugano, von wo wir dann mit dem Auto nach Ponte Capriasca fuhren.
Anita erwartete uns bereits und verwöhnte uns mit Köstlichkeiten zum Apéro. Gestaffelt pflegten alle sechs Wanderer ihre Körper. Als Ergebnis dieser geballten Körperpflege verbreitet sich eine Mischung aus verschiedenen Wohlgerüchen in unserem Haus.
Mit dem anschliessenden gemeinsamen Nachtessen im Ristorante Le Betulle in Origlio und dem finalen "Tschüssbecher" in unserem Haus beschlossen wir einen weiteren erlebnisreichen Tag auf unserer Wanderung vom Pruntrut nach Chiasso.